Nicolas Hojac will hoch hinaus!

29.05.2017

Nicolas Hojac studiert Maschinentechnik an der BFH mit Vertiefung «Produkentwicklung» Seine Vision: Er möchte beim Outdoor-Ausrüster «Mammut» in der Produktentwicklung mitarbeiten. Denn neben dem Studium gehört Hojac zu den «neuen Athlehten am Berg» so der Tagesanzeiger in seinem Artikel.

Ueli Steck hat das moderne Bergsteigen wesentlich geprägt. Jetzt wird seine Technik weiterentwickelt – und zwei Schweizer sind ganz vorne dabei.
Am vergangenen Wochenende erreichte der Spanier Kilian Jornet innert 26 Stunden den Mount Everest, er verwendete weder Fixseile noch zusätzlichen Sauerstoff. Damit setzt er den Stil fort, den Ueli Steck zuletzt prägte. Mit seinem schnellen Bergsteigen hat Steck eine Richtung eingeschlagen, die in den ­Augen vieler als die logische Form der alpinistischen Steigerung gilt. Oft verwechselt mit Rekordjagd, bedeutete sein Stil auch die Erweiterung des Spektrums menschenmöglicher Touren. Die Everest-Lhotse-Überschreitung hätte zu einem wesentlichen Teil in der Todeszone stattgefunden – wo sich ein Mensch nur über einen begrenzten Zeitraum aufhalten kann. Nun steht die Frage im Raum, wie die alpinistische Entwicklung weitergehen wird.
Wenige Bergsteiger sind so unterwegs, wie es Steck zuletzt war: topfit, technisch in allen Disziplinen stark und mit viel Erfahrung im Höhenbergsteigen. Der Spitzenalpinismus der Zukunft dürfte aber weiterhin in der kontinuierlichen Kombination der beiden Maxime Tempo und Schwierigkeit liegen.

Ein Volk von Bergführern

Die Schweiz muss man als Spitzennation bezeichnen, was Bergsteigen anbelangt. Das ist nicht weiter verwunderlich, verortet man die sportlichen Fähigkeiten einer Bevölkerung auch an der Landschaft, die sie bewohnt. Der Bergführerberuf geniesst nirgends derart lange Tradition sowie hohen Standard wie hierzulande, die Schweizer Bergführerausbildung gilt als eine der härtesten weltweit. Der Schweizer Alpen-Club (SAC) ist mit rund 150'000 Mitgliedern einer der grössten Sportverbände der Schweiz. Seit 2009 setzt er sich auch für das Leistungsbergsteigen ein: Alle drei Jahre wird ein Expeditionsteam von zehn jungen Bergsteigern und Bergsteigerinnen zusammengestellt, die in einem umfangreichen Lehrgang zu Profis ausgebildet und in die Gebirge der Welt entsandt werden.

Aktueller Vorzeigeathlet ist der 25-jährige Nicolas Hojac.

Schon bei den Aufnahmeprüfungen fiel er auf: Er offenbarte grosses Können im Sportklettern und im Mixedklettern, also im kombinierten Gelände von Fels und Eis. Das war 2014. Ein Jahr später stellte er zusammen mit Ueli Steck den Seilschafts­rekord in der Eigernordwand auf (3:46 Std.). Fast spektakulärer als der Rekord ist eine Begehung der beiden, die im letzten Dezember stattfand: Steck landete von Brüssel kommend in Zürich und stieg noch am selben Nachmittag mit ­Hojac durch die Nordwand auf den Eiger.

Eine ungewöhnliche Haltung

Mit Vorträgen verdient er bereits Geld, daneben studiert der Berner Maschinenbau an der Fachhochschule in Burgdorf. In Zukunft möchte er bei seinem Hauptsponsor, dem Ausrüster Mammut, in der Produktentwicklung mitarbeiten und so den Spagat zwischen Bergsteigen und Arbeitsleben machen. Er sagt: «Vielleicht werde ich ab einem gewissen Punkt auch ganz auf den Sport setzen.» Dass er von Sport spricht und nicht vom Bergsteigen ist bezeichnend für die gegenwärtige Neuerfindung des Profibergsteigers: Der Athlet löst den Abenteurer ab, ein systematisches Training rückt ins Zentrum.
Die Ausbildung zum Bergführer scheint für Hojac kein Thema zu sein. «Als Bergführer ist es schwierig, regelmässig zu trainieren und bei guten Bedingungen Zeit für die eigenen Projekte zu haben.» Lieber wolle er die Zeit nutzen, seine eigenen alpinistischen Ziele zu verfolgen. Eine ebenso nachvollziehbare wie ungewöhnliche Haltung: Die meisten professionellen Bergsteiger sind auch Bergführer, gerade weil sie so Beruf und Berufung vereinen können. Ueli Steck war eine Ausnahme, er liess sich nie zum Bergführer ausbilden. Doch einen gewichtigen Unterschied zu seinem Mentor offenbart Hojac dann doch: Die höchsten Berge der Welt ­interessieren ihn kaum, zumindest im Moment: «Es gibt schon einen Grund, weshalb man ab 8000 Metern von der Todeszone spricht.»