Enuu | Auto, Velo oder Zwitter?

29.06.2017

Die Bieler Luca Placi und Yoann Loetscher haben mit ihrem Start-up Enuu Grosses vor. Sie planen nichts Geringeres als die Revolution der Mobilität in den Grossstädten dieser Welt. Wenn die Sponsorensuche erfolgreich verläuft, könnte nächstes Jahr in Biel ein Pilotversuch starten.

Ursprünglich wollten sie ja einen Sportwagen bauen. Mehr als das. Einen Supersportwagen. Einen so genannten Hypercar. Elektrisch angetrieben sollte er sein, und sämtliche Teslas und sonstige Konkurrenten hinter sich lassen, was die Leistung betrifft. Einen «Electro-Hypercar» also. Auch das Geschäftsmodell stellten sie sich Tesla-ähnlich vor: Zuerst das Luxussegment bedienen, mit dem erwirtschafteten Geld sollen dann weitere Produkte entwickelt werden, die sukzessive günstiger sind und dann den Massenmarkt erreichen.
Dies war der Traum von Luca Placi. Yoann Loetscher und Aaron Kenessey, nachdem diese die Berner Fachhochschule Technik und Informatik, Abteilung Automobiltechnik, erfolgreich absolviert hatten. Die fachlichen Grundlagen dazu waren gelegt, hatten die beiden Nachwuchs-Automobilingenieure doch im Jahr 2014 Bern Formula Student initiiert, das Rennwagenprojekt, das zum Ziel hat, ein elektrisch betriebenes Hochleistungsauto zu entwickeln, in die entsprechenden Wettbewerbe zu schicken und die namhafte Konkurrenz hinter sich zu lassen.

Luca Placi und Yoann Loetscher mit dem Prototypen ihres Leicht-Elektro-Fahrzeugs.

Saeiga hiess das Projekt, die Website ist bereits wieder verschwunden, im Netz ist noch ein Bild auffindbar, das ein mögliches Design des Autos zeigt: Flach, gedrungen, mit einer Front, wie sie von Pininfarina stammen könnte, superschnell sieht es aus, das Ding. Bloss: Mit der Investorensuche haperte es. Placi und Loetscher kamen gerade aus China zurück, wo ein erneuter Pitch (so nennt man in der Start-up-Szene die Präsentation des Projekts vor möglichen Investoren und anderen einflussreichen Leuten) nicht das erwünschte Resultat zeitigte. Das war im November letzten Jahres. Da dräute den den Jungunternehmern die Frage: Ist ein weiterer Supersportwagen wirklich das, was die Welt braucht?

Ökologie statt Porsche

Die Antwort darauf war rasch gefunden: Nein. Vielmehr entsann sich Placi der Gedanken, die ihn umtreiben, seit er 15 Jahre alt ist: Wie ist eigentlich die heutige Mobilität beschaffen? Wie sieht es aus mit der Effizienz, besonders in den Städten? Er las Studien: Bei 80 Prozent der Autofahrten in der Stadt sitzen die Fahrerinnen und Fahrer alleine in ihrem Auto. Man muss nicht studiert haben um zu erkennen: Unter Gesichtspunkten von Effizienz und Ökologie macht dies schlicht keinen Sinn. Wie also, fragten sich Placi und Loetscher, können wir die Mobilität in den Städten verbessern? Die Antwort heisst Enuu, sie steht in Form eines Prototyps derzeit in einem Dörfchen ob Neuenburg und als Präsentation und Businessplan im Laptop der jungen Innovatoren. Am 12. Dezember starteten Luca Placi und Yoann Loetscher ihr neues Unternehmen. Man muss wissen: Placi hätte bei Porsche arbeiten können, er hätte nur noch unterzeichnen müssen, Loetscher wäre bei Mercedes untergekommen, die Konzerne hätten nur zu gerne auf die Dienste der jungen Bieler gesetzt. Allein: Ihnen war eher nach einem Start-up und der Lösung von Mobilitätsproblemen zumute. Sie haben ihr Projekt bislang selber finanziert, wohnen wieder bei den Eltern. Das ist es ihnen wert. Enuu also, das «E» steht für «effizient », das «nuu» für «new», also «neu», hat nichts Geringeres zum Ziel als die Lösung der Mobilitätsprobleme in vielen Grossstädten der Welt. Enuu ist zuerst mal ein Gefährt, ein Fahrzeug, ein sogenanntes «Light Electric Vehicle » (LEV), ein leichtes, elektrisch betriebenes Fahrzeug, das keinerlei Schadstoffe emittiert. Es ist eine Art Mischung zwischen Velo und Auto. Es hat drei Räder; eine Vollverschalung, damit es auch bei schlechtem Wetter komfortabel ist; es ist bloss einen Meter breit und soll auf Velostreifen fahren dürfen und auf Töff-Parkplätzen parkierbar sein; es fährt 30 km/h und soll möglichst ohne Auto-Führerschein nutzbar sein.

ganzer Artikel von Tobias Graden | Bieler Tagblatt,  29.6.2017

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