Wert der Zukunftsforschung

22.01.2018

Dass sich Unternehmen mit der Zukunft befassen sollten, steht angesichts der immer rasanteren Entwicklung ausser Frage. Doch welche Rolle kann dabei die Zukunftsforschung spielen? Zukunftsforscher, Gastdozent an der BFH, Georges T. Roos analysiert die Vorteile einer systematischen Auseinandersetzung.

Zukunftsforschung ist keine Prognostik im engen Sinn und schon gar keine Wahrsagerei. Die Zukunftsforschung als Disziplin bietet Instrumente und Methoden, um sich systematisch mit Zukunftsfragen zu beschäftigen. Denn das viel gerühmte Bauchgefühl, die Intuition des Unternehmers für den Erfolg von morgen, hat seine Tücken. Die Überraschung kommt oft von unerwarteter Seite: Ein branchenfremdes Unternehmen bricht mit einem neuen Ansatz in ein Geschäftsfeld ein, eine neuartige Technologie stellt das bewährte Geschäftsmodell auf den Kopf, die öffentliche Meinung dreht sich in Windeseile, oder der Regulator erwischt das Unternehmen auf dem falschen Fuss. Die Zukunftsforschung hilft Unternehmen, auch für solche Fälle besser gewappnet zu sein. Sie ermöglicht es, die Zukunft in einer Rundumsicht in den Blick zu nehmen und den Zukunftshorizont in der ganzen Breite abzusuchen.

Zu den Methoden der Zukunftsforschung gehört die Früherkennung (engl. Horizon Scanning). Dabei werden schwache Signale systematisch aus einer 360-Grad-Beobachtung daraufhin abgefragt, was sie möglicherweise für den künftigen Erfolg des Unternehmens bedeuten könnten.

Eine weitere Methode hilft dabei, die Megatrends zu verstehen, die auf die Unternehmensumwelt einwirken: Megatrends sind globale, andauernde und ubiquitär wirksame Treiber der Veränderung. Sie müssen verstanden und in der Bedeutung für das Unternehmen und seine Stakeholder beschrieben werden.

Wenn bei einem zentralen Einflussfaktor auf die Zukunft des Unternehmens nicht bestimmt werden kann, in welche Richtung die Entwicklung erfolgt, sind Szenarien angezeigt – eine dritte Methode der Zukunftsforschung. Szenarien identifizieren die kritischen Unsicherheiten, also mächtige Einflussfaktoren mit unklarer Vorhersehbarkeit, und helfen dem Unternehmen, sich auf verschiedene mögliche Zukünfte im Sinne vorbereiteter, strategischer Optionen einstellen.

In den CAS «Strategy and Future Design» sowie «Strategie und digitale Transformation» an der BFH lernen die Studierenden unter anderem, Megatrends zu erkennen und für ihr Unternehmen nutzbar zu machen.

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Georges T. Roos ist Zukunftsforscher, Gründer und Vorstand von ROOS Trends&Futures sowie Gastdozent an der Berner Fachhochschule.
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