Viel Wissen vorhanden

02.10.2018

Christof Baeriswyl ist einer jener, die bleiben. Zuerst als Bachelor und Masterstudent und nun als wissenschaftlicher Mitarbeiter geht er an der BFH in Biel seit sieben Jahren ein und aus.

Christof Baeriswyl, was machen Sie als Erstes, wenn Sie am Morgen zur Arbeit kommen?

Christof Baeriswyl: Als Erstes organisiere ich mir einen Kaffee. Danach geht es an die Planung des Tages. Was sind die Ziele? Ich mache das für mich selbst, weil mir das hilft, mich nicht auf Nebengleisen zu verlieren. Sitzungen gibt es kaum, und auch sonst wenig Administratives zu erledigen. So hatmanwirklich die Möglichkeit, sich aufs Forschen zu konzentrieren. Ich bin frei, wie ich etwas angehe und wie ich mir die Zeit einteile.

Haben Sie sich bei so viel Selbstbestimmung auch schon mal verloren gefühlt?

Ja schon, als ich im Sommer vor einem Jahr mit dem Master (Master of Science in Engineering) fertig geworden bin und als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institute for Human Centered Engineering HuCE eine neue Aufgabe bekam, war das zunächst recht herausfordernd. Ich wusste nicht, wie ich das Ganze angehen sollte, merkte aber rasch: Das Wissen ist hier im Haus, ich muss es nur abholen gehen, bei Professoren oder anderen Mitarbeitern. Zuerst kommt aber immer: Sich einen guten Überblick verschaffen, umdarauf basierend dann die passenden zielführenden Fragen zu stellen. Ich lese auch sehr viel, wissenschaftliche Artikel, Bücher aus der hauseigenen Bibliothek oder solche, die ich von der ETH bestelle.

Woran forschen Sie gerade?

Ich arbeite am Projekt «Speiseröhren- EKG» mit, wo es darum geht, via eines Katheters in der Speiseröhre die Herzspannungskurve hinterdemHerz zu messen anstatt wie bisher über ein Elektrokardiogramm auf der Oberfläche der Haut. Das ist sehr spannend. Gerade überarbeite ich den von uns entwickelten Mikrochip, der in der Nase befestigt wird und die Aufgabe hat, die EKG-Signale aufzunehmen und zu messen.

Was reizt Sie an solcher Forschung im Miniaturbereich?

Ich kann einerseits mit meinen im Studium erworbenen Fähigkeiten zu etwas beitragen, das einen Nutzen hat, das Fortschritt bedeutet. Zweitens lebe ich Neugierde aus, hinterfrage Bestehendes und suche nach noch eleganteren Lösungen eines Problems. Diese perfektionistischeAder teilen viele Forscher.

Wie sind Sie als gelernter Elektroniker eigentlich zur Wissenschaft gekommen?

Im vierten Jahr meiner Lehre durfte ich im Betrieb in Murten in die Entwicklungsabteilung. Dort arbeiteten viele Ingenieure. Sie liessen mich Schaltungen zusammenbauen. Das war interessant, aber ich hätte gerne dahinter gesehen, wie und warum diese Schaltungen funktionieren. Dieses Wissen fehlte mir. Also entschied ich, mit einem Kollegen aus dem gleichen Dorf, Elektrotechnik zu studieren. Wir haben von Freiburg bis Rapperswil diverse Fachhochschulen angeschaut.

Warum fiel die Wahl auf die BFH in Biel?

Die Schule hier war mir gleich sympathisch. Das grosse Angebot an möglichen Spezialisierungen und Wahlfächern hat mich überzeugt. Und nicht zuletzt gefällt mir der Sprachenmix, dieser lockere Umgang hier in Biel damit. Aus Düdingen kommend, wollte ich die Zweisprachigkeit gerne weiterpflegen.

Und jetzt sind sie sieben Jahre später immer noch hier. Was sind Ihre Ziele?

Mittelfristig möchte ich ein Doktorat beginnen, da laufenmomentan Abklärungen. Auf jeden Fall kann ich mir vorstellen, länger in dem Umfeld zu bleiben. Das Hochschulleben gefällt mir, die Offenheit der Leute, der freie Geist. Es ist stets willkommen, sich Gedanken zu etwas zu machen. Ausserdem hätte ich Lust, zu unterrichten. Das habe ich bei Jungwacht Blauring (Jubla) und bei Jugend+Sport festgestellt, wo ich mittlerweile Leiterinnen und Leiter ausbilde.

Sie sind offenbar ein Mensch, der sich gut in etwas vertiefen kann.

Kann man so sagen. Wenn ich mal etwas gefunden habe,woich mich wohlfühle, bleibe ich dabei. Mit 16 in der Jubla hätte ich allerdings nie gedacht, dass ich mal die Leiter ausbilden würde. Das hat sich wie von selbst ergeben. Ähnlich im Beruf: Da hatte ich ja einst die Ingenieure als Vorbild, jetzt bin ich selbst einer.

Was machen Sie als Letztes, wenn Sie Ihren Arbeitsort verlassen?

Häufig bin ich gerade etwas am Überlegen. Dann mache ich mir Notizen dazu, vielleicht ein Post- It, damit ich am nächsten Tag noch weiss, wo ich stehen geblieben war. Nicht selten ist die Lösung bis dann aber schon da. Die Gedanken begleiten mich in den Feierabend, auf dem Heimweg nach Bern, laufen nebenher weiter. Da gibt es kein klares An- und Abschalten bei mir.

Originaler Artikel | Bieler Tagblatt | 28. September 2018

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