Unsere Bachelor sind gesucht!

20.06.2018

Varroa-Milben-Detektion, eine Steinbruch-App und der Kampf im Darknet: Am Techday Informatik und Medizininformatik haben Absolventen der Fachhochschule ihre Arbeiten präsentiert.

Die Varroa-Milbe: 1,1 Millimeter gross, rot-braun und oval ist sie der Schreck aller Imker. Ist ein Bienenvolk von der Milbe befallen, heisst es rasch handeln. Denn sie frisst die Bienen sozusagen aus, sie bringt ganze Völker zur Strecke. Die Bienen auf den Befall von Varoa-Milben zu kontrollieren, ist eine aufwändige und zeitintensive Angelegenheit. Die Imker montieren unterhalb der Wabe eine weisse Platte. Material, das in der Wabe nicht mehr gebraucht wird, fällt auf diese Platte – unter anderem abgestorbene Milben. Der Imker sucht auf der Platte von Auge die Milben unter dem anderen Material heraus und zählt sie. Dieser Vorgang nimmt pro Platte bis zu zehn Minuten in Anspruch. In der Schweiz bewirtschaftet ein Imker im Schnitt zehn Waben, er wendet also allein für die Kontrolle eine beträchtliche Menge an Zeit auf. Und was hat das mit dem Studiengang Informatik an der Berner Fachhochschule zu tun?

Ein Bild statt eine Stunde

Die Antwort auf diese Frage findet sich in der Person des Absolventen Loïc Charrière. Sein Vater forscht im Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung Agroscope in Liebefeld im Bereich der Bienen und weiss, wie mühselig die Milbenkontrolle ist. Diese liesse sich doch vereinfachen, dachte sich Loïc Charrière. Seine Bachelorarbeit ist darum eine Smartphone- App, welche diese Arbeit im Nu erledigt. Dazu muss der Imker einfach die Kontrollplatte fotografieren, und in kürzester Zeit teilt ihm die App mit, ob er Schutzmassnahmen ergreifen muss oder beruhigt sein kann.
Was simpel klingt, war nicht ganz so einfach zu entwickeln, erzählt Charrière. Er überlegte sich zuerst, die Aufgabe über die elliptische Form der Milben zu lösen. Doch diese Methode benötigte das Messen von fünf Parametern. «Das ist zu aufwändig, als dass es der Rechner eines Smartphones leisten könnte», sagt Charrière. Seine Lösung kommt mit drei Parametern aus: Grösse, Form, Farbe. Die Präzision liegt bei über 80 Prozent, das reicht aus, so Charrière: «Der Imker braucht ja nicht die genaue Zahl zu wissen, sondern er benötigt einfach die Information, ob alles in Ordnung ist oder nicht.»
Kommerzialisierbar ist die App noch nicht, doch ist es das Ziel von Charrière, dies auf nächstes Jahr hinzubringen. Das Interesse von Imkern in aller Welt dürfte gross sein, gibt es doch laut dem BFH-Absolventen noch nirgends eine vergleichbare Lösung.

Gefragte Fachkräfte

Das Beispiel Charrières zeigt, wie praxis- und lebensnah die Arbeiten der Informatikstudierenden sein können – und dass die Absolventen gleich nachdem Abschluss voll arbeitsmarktfähig sind. Sie haben in der Regel denn auch keine Probleme, eine Stelle zu finden, sagt Eric Dubuis, Professor für Informatik an der BFH: «Sie können auswählen, wo sie arbeiten gehen wollen.» Der grösste Teil geht in die Privatwirtschaft, ein kleinerer in die Verwaltung.

ganzer Artikel | Bieler Tagblatt, 16.6.2018

BSc in Informatik