Spitzenstickerei digital interpretiert

07.06.2018

Im Luxusmodebereich sind Innovationen das A und O. In drei von der KTI geförderten Projekten entwickeln mehrere Forschungs- und Wirtschaftspartner unter Federführung der Hochschule Luzern eine Technologie für das 3D-Auftragen von Farbe auf Textilien, die der Jakob Schlaepfer AG eine völlig neue Ästhetik ermöglicht.

Am Anfang steht die gestalterische Vision, eine neue Ästhetik und Haptik für bedruckte Textilien zu ermöglichen. Im Luxussegment der Haute Couture, das die Jakob Schlaepfer AG bedient, sind laufend neue, aufregende Stoffe gefragt. Deshalb ist Creative Director Martin Leuthold sofort interessiert, als ihn Andrea Weber Marin kontaktiert, Leiterin Produkt & Textil an der Hochschule Luzern – Design & Kunst. Ihr schwebt ein Farbauftrag vor, der mit den Händen spürbar ist, eine neue Gestaltung der Oberflächen ermöglicht und digital zu steuern ist. Beide sind vom 3D-Druck fasziniert. Sie starten eine Reihe von Versuchen mit spezialisierten Firmen, um einen Farbstoff zu entwickeln, den man dreidimensional auftragen kann. Weil eine Stickmaschine dazu einen Aufsatz mit Sprühtechnik benötigt, ist auch ein Maschinenhersteller mit von der Partie. In zwei von der KTI geförderten Projekten wird die Machbarkeit des Vorhabens nachgewiesen und ein Prototyp entwickelt, der die Applikation von pastöser Farbe auf Textil ermöglicht.

Material gleicht jenem für Anti-Rutsch-Socken

In einem dritten von der KTI geförderten Projekt entwickeln die Projektpartner zwei Düsen für den 3D-Auftrag von Pasten, die auf Silikon basieren und dem Material für Anti-Rutsch-Socken gleichen. Die CHT Switzerland AG färbt die Pasten ein und modifiziert sie für die textile Applikation chemisch. «Die zähflüssige Silikonpaste mit einer Düse kontrolliert aufzutragen, war herausfordernd», sagt Karl- Heinz Selbmann, Leiter des Instituts für Drucktechnologie der Berner Fachhochschule (BFH). Die Paste ist ohne Lufteinschluss in Kartuschen zu füllen, damit beim Aufsprühen die gewünschte durchgängige Linie entsteht. Selbmann und sein Team entwickeln die Hard- und Software für das Verfahren, definieren den Prozess dazu und stimmen die Druckparameter auf Hardware, Material und Design ab.

Der neuartige Auftrag kommt bei der Kundschaft an

«Wir Experten haben am Anfang des Projekts ein schrittweises Vorgehen angeregt, auf die BFH als geeigneten Forschungspartner hingewiesen und die Projektpartner im Festhalten am ausgeprägt inter- und transdisziplinären Ansatz unterstützt», erklärt KTI-Kommissionsmitglied und Innenarchitektin Marianne Daepp ihre langjährige Begleitung des Vorhabens. Um die Reaktionen der Kundschaft zu testen, gestaltet die Jakob Schlaepfer AG die ersten zwei Kollektionen bewusst ausschliesslich in Schwarz. Der neuartige Auftrag kommt an, und unterdessen haben auch Weiss, Rot, Gold und transparent den Weg in die Kollektion gefunden. Die Projektpartner gewinnen mit der völlig neuen textilen Ästhetik den Schweizer Designpreis und sichern sich ein Patent auf die innovative Technologie. Denn die Technologie bietet Potenzial über die Haute Couture hinaus.

ganzer Artikel | KTI-Tätigkeitsbericht 2017