Provider | Datenkraken?

07.06.2018

Will man in Webshops einkaufen, sind persönliche Daten gefragt. Professorin Annett Laube vom Institute for ICT-Based Management der Berner Fachhochschule weiss, wie Föderierte Identitäten das Leben erleichtern.

Annett Laube, kaufen Sie auch im Internet ein?
Annett Laube: Ja, wenn auch nicht gerne …

Wieso nicht?
Ich kenne natürlich die Risiken. Auch finde ich es viel schöner, den Einkauf mit einem Spaziergang zu kombinieren. Das ist viel angenehmer als das anonyme Internet.

Wie wichtig ist Ihnen der Schutz der Privatsphäre?
Das ist sehr wichtig und ein Hauptthema meiner Forschungsgruppe. Unser Ziel ist es, den Schutz der Privatsphäre im Schweizer E-Government voranzutreiben.

Wie kamen Sie zur Informatik?
Ich war schon immer technikinteressiert – also nicht so das typische Mädchen. Mich hat es fasziniert, wie Maschinen andere Maschinen bauen. Informatik war sozusagen die Möglichkeit, das technische Interesse mit einem sauberen Arbeitsplatz zu kombinieren.

Wie ist es als einzige Frau im Professorenteam?
Eigentlich nicht anders – ich habe zuvor schon in der Softwareentwicklung und in der Beratung gearbeitet. Von daher ist man es sich schon gewöhnt, als Frau in der Minderheit zu sein. Es wäre aber schön, wenn es bei uns mehr Frauen gäbe.

Was ist eine föderierte Identität?
Das ist einfach gesagt eine elektronische Identität oder ein Login, das für mehrere Webseiten, Plattformen usw. verwendet werden kann. Der Benutzer kann so seine Benutzerdaten zentral verwalten und diese besser schützen.

Was bringt das?
Für den Benutzer wird es einfacher. Er muss sich nur einen Benutzernamen und ein Passwort merken statt sich überall zu registrieren, auf unterschiedliche Passwörter zu achten und Daten zu erfassen. Zudem kann man bei föderierten Identitäten sicher sein, dass sich Spezialisten um die Sicherheit kümmern. Man ist viel besser geschützt als in irgendeinem Webshop, der nicht genau weiss, was er mit ihren Daten macht.

Was heisst besser geschützt?
Im schlimmsten Fall sind alle Benutzerdaten in einem File oder in einer Datenbank gespeichert. Weil alles billig sein und schnell gehen soll, verzichten die Verantwortlichen oft auf Security-Spezialisten. Die Benutzerdaten sind für Angreifer leichter angreifbar. Bei einer föderierten Identität ist alles besser geschützt und man kann sicher sein, dass Experten die Sache richtig gemacht haben.

ganzes Interview | Bieler Tagblatt, 01. Juni 2018

Annett Laube

Professorin für Informatik
Leitung Institute for ICT-Based Management ICTM