Prix d’excellence 2018

13.11.2018

Ob Nachsorge-App für Tumorpatienten, Berechtigungsanwendung in Klinikinforma-tionssystemen oder pharmakogenetisches Entscheidungshilfe-Tool für Ärzte: Die Medizininformatik-Absolventinnen und -Absolventen der Berner Fachhochschule (BFH) gestalten die Digitalisierung des Gesundheitswesens bereits während des Studiums aktiv mit. Das Spitalzentrum Biel (SZB) verleiht den besten Abschlussarbeiten des Bachelors of Science in Medizininformatik zum fünften Jahr in Folge den „Prix d’excel-lence“. Die 2018 prämierten Arbeiten überzeugen durch ihren Praxisbezug und den konkreten Nutzen für Patientinnen und Patienten.

Für ihre Abschlussarbeiten ausgezeichnet wurden Marwin Philips und Kevin Tippenhauer, Pascal Dittli und Niveadha Kanagarasa, Martin Stierlin und Lukas Wyss. Den mit insgesamt 3000 CHF dotierten Prix d’excellence 2018 nahmen die erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen gestern Abend im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung an der Berner Fachhochschule entgegen. Ob „Pharmaco-genetic Clinical Decision Support“, „Delegation von EPD-Berechtigungen im Klinikinformationssystem“ oder die Nachsorge-App für Darmkrebsbetroffene namens „tuna“: Die besten Arbeiten des Studien-gangs in Medizininformatik überzeugen. Die preisgekrönten Arbeiten in Kürze:

Beste Umsetzung: «tuna – Entwicklung einer App zur Steigerung der Patientenadhärenz bei der Tumornachsorge»

Für Patientinnen und Patienten konkret von Nutzen ist eine von Martin Stierlin und Lukas Wyss in Zusammenarbeit mit der Chirurgischen Klinik des SZB entwickelte Nachsorge-App. Für Dickdarm-krebsbetroffene ist die – leider oft vernachlässigte – Nachsorge wichtig: Trotz erfolgreicher Operation entwickeln sich bei 30-44% der Patienten Redizive oder Metastasen. Die App unterstützt sie darin, die intensive Nachsorge während der besonders sensiblen zwei- bis dreijährigen Phase nach dem Eingriff effektiv wahrzunehmen. Sie ermöglicht etwa, Patienten rechtzeitig an Nachsorgetermine zu erinnern oder sie bei der Vereinbarung von Arztterminen zu unterstützen. Der Impact der App soll zusätzlich mit einer Studie untersucht werden.

Beste Innovation: «Pharmacogenetic Clinical Decision Support»

Schon heute sind eine Vielzahl an Interaktionen zwischen Genen und Medikamenten bekannt. Würde dieses Wissens der personalisierten Medizin konsequenter genutzt, liessen sich unerwünschte Arznei-mittelereignisse deutlich reduzieren. Marwin Philips und Kevin Tippenhauer haben am Beispiel der onkologischen Medikation des Inselspitals einen Prototyp entwickelt, der zeigt, wie pharmakogene-tisches Wissen im Klinikalltag künftig angewendet und so die Gesundheitsversorgung effizienter und sicherer gemacht werden könnte.

Bestes Konzept: «Delegation von EPD-Berechtigungen im Klinikinformationssystem (KIS)»

Patientinnen und Patienten sollen in der Schweiz bald mehr Kompetenzen über ihre Gesundheitsda-ten erhalten. Die Einführung des ePatientendossiers ermöglicht ihnen künftig, zu entscheiden, wer ihre Daten einsehen darf. Mit der Delegation von Berechtigungen im Klinikinformationssystem können sie etwa ihren Hausarzt ermächtigen, die Zugriffsrechte auf ihr Dossier bei Bedarf an weitere Gesund-heitsfachleute zu delegieren. Pascal Dittli und Niveadha Kanagarasa haben ein Konzept für solche Delegationsberechtigungen erarbeitet und dazu ein Health Professional Portal entwickelt.

Verliehen wird der Prix d’excellence im Rahmen einer Partnerschaft, welche die BFH und das SZB im Jahr 2014 eingegangen sind. Neben Know-how-Transfer ermöglicht die Kooperation der beiden Bieler Akteure jungen, kreativen Köpfen an der Schwelle zum Berufsleben, ihre Ideen und Neuentwicklungen im Alltag eines Akutspitals zu erproben. Wie etwa die von Stierlin und Wyss im Dialog mit der Chirurgischen Klinik des SZB entwickelte Nachsorge-App beweist, können aus der Zusammenarbeit an der Schnittstelle von Praxis und Ausbildung auch konkrete, für Patientinnen und Patienten wertvolle Anwendungen entstehen.