Mobilität: Global ICT Infrastructure

28.11.2017

Das Bachelor-Programm für die Informatik an der Berner Fachhochschule bietet den Studierenden einen breiten Einblick in die Welt der Informatik. Viele Kurse befassen sich mit Software, welche zum Teil grosse Netzwerke und Server-Infrastrukturen voraussetzen. Die Hardware, welche dabei effektiv verwendet wird, spielt nicht zuletzt wegen der zunehmenden Virtualisierung immer eine kleinere Rolle.

Umso erstaunter waren wir, als wir im Rahmen des Moduls "Global Information and Communication Technologies" einen Einblick in die komplexe und hart umkämpfte Welt der globalen ICT-Infrastruktur bekamen. Ein Modul, welches uns vom Bundeshaus in Bern über Luzern bis hin nach Shenzhen und Peking führte und welches uns neben den Strukturen des aufstrebenden Technologiekonzerns Huawei auch die Politik und Kultur der Volksrepublik China näherbrachte.

Das Modul begann mit dem Kick-off im Leuchtersaal des Bernerhofs, wo wir die restlichen der 16 Studierenden, die Begleitpersonen der Fachhochschulen und die Mitarbeitenden von Huawei kennenlernten. Nach einigen Informationen hatten wir die Gelegenheit, uns mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann, dem Vorstehenden des Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung zu unterhalten. Es folgten ein Mittagessen im Bundeshaus und anschliessend dessen Besichtigung.

Für den nächsten Termin trafen sich Studierende und Dozenten an der Hochschule Luzern. Die 4 Gruppen der Studierenden hatten sich in der Zwischenzeit intensiv mit der Volksrepublik China auseinandergesetzt und präsentierten ihre Erkenntnisse. Die Themen reichten von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft über Geschichte bis hin zu aktueller Kultur.

Nach diesem Vorgeschmack folgte endlich der Kern des Moduls: die Reise nach China. Von Zürich flogen wir direkt nach Hongkong, von wo aus wir per Car in die nahe Technologie-Hauptstadt Shenzhen gebracht wurden. Der Kontrast zu den kleinen Städten in der Schweiz wurde uns sofort bewusst: riesige Wolkenkratzer mit Glasfronten soweit das Auge reicht, dichter Strassenverkehr zu jeder Tageszeit und ein Gefühl, als wäre man 10 Jahre in die Zukunft gereist. Technologie ist in Shenzhen allgegenwärtig, in der Innenstadt drängen sich Elektrowarengeschäfte dicht aneinander und riesige Bildschirme und Plakate versuchen, ihre neusten Produkte zu bewerben. Nebst den grossen globalen Konzernen wie Apple und Samsung fallen viele chinesische Marken auf – aber keine so stark wie Huawei. Auf dem riesigen Campus von Huawei lernten wir die Firmenkultur des Konzerns kennen, welche stark durch die chinesische Kultur geprägt zu sein scheint: Hingabe und Disziplin. Wir bekommen verschiedene Einblicke in die Herausforderungen, welche sich globalen Grosskonzernen stellen, z.B. in den Bereichen Supply Chain, Human Resources oder Marketing. Beim Besuch einer hochautomatisierten Produktionsstätte für Antennenhardware sehen wir, wie effiziente Massenproduktion heute aussehen kann. Das Bild, welches uns in Campus und Showrooms präsentiert wird, ist durchwegs positiv.

Häufiger Regen und ein Taifun sorgten für exzellente Luftqualität, leider auch zu einer Verspätung unseres Fluges nach Peking. Gegessen haben wir meistens an einem grossen Tisch mit einer Drehscheibe in der Mitte, darauf stand alles Essen und man konnte, je nach Laune, alles probieren oder auch wählerisch sein. Der Fokus in Peking ist nun eher auf die Kultur gerichtet, nicht aber weniger intensiv: jeder Tag ist gut geplant, ein Termin folgt dem nächsten. Wir besuchen am Morgen die verbotene Stadt, danach geht's zum Glockenturm wo wir in Rikschas durch einen Bezirk mit gut erhaltenen traditionellen Häusern fahren. Am Nachmittag folgt der obligate Besuch der grossen Mauer. An einem anderen Tag fahren wir zum Sommerpalast, wo wir im idyllischen Park spazieren, gefolgt von einer Fahrt im Drachenboot. Auch in Peking ist Huawei vertreten: wir besuchen als erste Delegation einen "high-end Showroom", der sonst eigentlich hohen Staatsgästen und Grossinvestoren vorbehalten ist. Dies war sehr beeindruckend, als ob wir eine High-Tech-Ausstellung in einem Raumschiff besucht hätten (siehe Fotos). Zum Abschluss des Moduls hielten alle Gruppen erneut Vorträge zu verschiedenen Themen, welche diesmal mit Huawei zusammenhingen: Sustainability, Management, IoT und Marketing. Die Studierenden zeigten grosses Interesse und Engagement, so dass das Modul insgesamt sowohl sehr informativ als auch sehr spannend war. Nach dem Rückflug von Peking nach Zürich trennten sich unsere Wege leider wieder – eine Wiedervereinigung ist allerdings bereits im Gespräch.

 

Persönlicher Eindruck von Alexandra

Meiner Meinung nach war es etwas zu viel Wirtschaft und Management und zu wenig Informatik, aber ansonsten war es sehr interessant. Auch war es spannend, Zeit mit Studierenden aus der ganzen Schweiz zu verbringen und es war eine gute Gelegenheit mein Englisch zu trainieren, da nicht alle deutsch sprachen. Chinas Arbeitskultur hat sich mit meiner als inkompatibel erwiesen, aber als Touristin werde ich das Land ganz bestimmt noch mal besuchen.

Persönlicher Eindruck von Michel

Für mich war dieses Modul eine unschätzbare Erfahrung. Wir haben in sehr kurzer Zeit sehr viele kleine Einblicke in eine unglaublich vielfältige Welt erhalten, zusammen mit interessanten und enthusiastischen Personen von unterschiedlichster Herkunft und Studienrichtung. Ich finde es wichtig, dass man sich als Studierender nicht zu sehr auf die eingeschlagene Fachrichtung versteift, sondern jederzeit offen ist und den Mut hat, über den Tellerrand hinaus zu schauen und andere Perspektiven zuzulassen. Was mich ein wenig gestört hat war, dass ich mich zwischenzeitlich wie in einer unkritischen Dauerwerbesendung für Huawei gefühlt habe – was aber, wen man sich dessen bewusst ist, die Erfahrung nur unwesentlich eingeschränkt hat.

Wir bedanken uns bei der Berner Fachhochschule und bei Huawei für diese unschätzbar wertvolle Erfahrung und empfehlen allen Studierenden, diese Gelegenheit, sollte sie sich wieder ergeben, wahrzunehmen.

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