Medizininformatik – ein Glücksfall

02.07.2018

Aline Zaugg ist heute Digital Data Managerin bei der Migros Aare. Ihr Medizininformatik-Studium an der Berner Fachhochschule hat ihr die Tür dazu aufgetan. Überhaupt spricht sie von einer sehr lehrreichen Zeit in Biel.

Aline Zaugg

Aline Zaugg, was bleibt Ihnen von der Zeit an der BFH in Biel?

Aline Zaugg: Sich selber organisieren, war die grosse Herausforderung, vor allem weil ich berufsbegleitend studierte, mit einem Pensum von 70 bis 80 Prozent als Betriebsleiterin eines Fitnesscenters. Das ist eigentlich zu viel. Aber für mich war es gut, und das Studium ein super Ausgleich, sowie ein Lernfeld, was es heisst, immer wieder umzudenken, schon nur zwischen den verschiedenen Fächern wie Anatomie, Datenstruktur oder Englisch zu switchen. Das hilft mir noch jetzt im Berufsalltag. Ich lasse mich kaum mehr stressen, auch wenn sehr viel läuft, und ich parallel an sieben Projekten arbeite. Ich kann heute viel besser priorisieren.

Warum fiel Ihre Wahl auf Medizininformatik?

Weil es für mich schlicht ein Glücksfall war, als ich von diesem einzigartigen Studium hörte. Es passte für mich wie die Faust aufs Auge. Ich bin gelernte Informatikerin und habe eine Ausbildung als Fitnessinstruktorin mit eidgenössischem Fachausweis. Mit zwölf Jahren begann ich mich für Computer zu interessieren, begeistert davon, selber eine Webseite gestalten zu können. Gleichzeitig war ich in einem Turnverein. Ab da ging es immer hin und her zwischen den beiden Themen Informatik und Fitness, Gesundheit, menschlicher Körper. Tauchte ich tief ins eine ein, vermisste ich das andere. Nun konnte ich beides verbinden.

Die Kombination der beiden Bereiche kommt auch in Ihrer Bachelorarbeit gut zum Ausdruck, für die Sie am Ende des Studiums den «Prix d’excellence » bekamen, verliehen vom Spitalzentrum Biel für herausragende Medizininformatik- Projekte der Berner Fachhochschule.

Das war eine schöne Überraschung. Mit meinem Kollegen Adrian Wyss hatte ich eine App entwickelt, die Menschen nach einer Operation infolge massiven Übergewichts unterstützen soll. «Mimoti » heisst sie, was für «mini Motivation » steht. Die Patienten, denen zum Beispiel bei der Operation ein Teil des Magens abgetrennt wurde, brauchen danach Betreuung, auch psychische manchmal, und möglichst viel Bewegung. Unsere App trägt die Aufzeichnungen eines Schrittzählers, regelmässig verlangte Eingaben des aktuellen Gewichts und Tagebucheinträge der betreffenden Person zu ihrem Wohlbefinden zusammen. Sie fliessen auf die geschützte Midata-Plattform, auf die der behandelnde Arzt Zugriff hat.

Wie ist das Produkt bei den testenden Patienten angekommen?

Sehr gut. Die Testpersonen haben durchschnittlich drei Einträge pro Tag gemacht. Mit so viel hatten wir nicht gerechnet. Aber offenbar ist das Mitteilungsbedürfnis wirklich gross. Wir durften unsere App am Inselspital im Rahmen einer Studie einsetzen, bei der der Einfluss täglicher Bewegung auf die Gewichtsabnahme nach einer Übergewichts-Operation untersucht wurde. Wir waren in dieser Zeit sehr oft im Spital und haben uns völlig vertieft, einmal durften wir sogar bei einer Magenbypass- Operation dabei sein.