Material-Ingenieurin | Michalina Chaja

06.03.2018

Als studierte Material- Ingenieurin kam Michalina Chaja in die Schweiz. Jetzt forscht die junge Polin an der Berner Fachhochschule mit unvorstellbar kurzen Laserpulsen. Für die wissenschaftliche Mitarbeiterin ein spannendes Neuland und ein guter Einstieg ins Berufsleben.

Michalina Chaja, was tun Sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am ALPS, dem Institute for Applied Laser, Photonics and Surface Technologies an der BFH in Burgdorf?
Michalina Chaja: Ich arbeite in den Forschungsgruppen «Laser Surface Engineering» und «Thin Films and Surfaces». Die Bearbeitung von Oberflächen mit Mikro- Lasertechniken ist ein breites Feld, das mittlerweile in fast jedem Industriesektor Anwendung findet und weiter an Bedeutung gewinnt. Ich forsche an konkreten Fragen von Industriepartnern. Sie kommen zu uns, wenn sie beispielsweise ihre Produktions- Effizienz oder ihr Produkt optimieren wollen.

Was kann das sein?

Zum Beispiel ist es möglich, die Oberfläche von Metall so zu verändern, dass Regenbogen-Reflektionen entstehen. Solch spezielle Strukturen helfen wir zu entwickeln, machen Tests in unserem Labor, und schälen dabei für unsere Partner die entscheidenden Punkte heraus, sowie mögliche Probleme bei der industriellen Umsetzung des Produkts.

Welche Techniken kommen da zum Einsatz?

Wir bearbeiten das Material mit ultrakurzen Laser-Pulsen, die mit hoher Energie sehr präzis und lokal wirken, ohne Wärmeeffekt an der Oberfläche rundherum. Der Prozess wird deshalb auch «kalte Ablation» genannt. Ich spreche von Lichtpulsen im Bereich von Femtosekunden, also noch 100 000 mal kürzer als Nanosekunden. Zum Einsatz kommen nebst dem Laser sogenannte synchronisierte Scanner. Spiegel im Innern dieser Scanner bewegen den Laserstrahl so, dass statt nur eines Punktes eine ganze Fläche bearbeitet werden kann.

Und Sie stehen also im Labor und arbeiten mit solchen Apparaten?

Ja, das ist meine Haupttätigkeit als Forschende. Das Labor ist in einem Reinraum untergebracht, in dem die Temperatur stabil ist und es keine Staubpartikel in der Luft gibt. Ich trage, wenn ich dort arbeite, Schutzkleidung und eine spezielle Schutzbrille. Uhren und Fingerringe müssen wir ablegen. Sie könnten Laserstrahlen reflektieren und somit einen selbst oder Kollegen indirekt verletzen.

Sie sind in einer Männerdomäne tätig, richtig?

Hier schon, ja. In Polen aber, wo ich herkomme und wo ich in Warschau Material-Ingenieurwissenschaften studiert habe, waren wir gleich viele Frauen wie Männer im Studiengang. Viele junge Frauen drängen bei uns in die verantwortungsvollen Ingenieurberufe. Man kann sich damit ein schönes Leben leisten. Hier in der Schweiz ist das anders, hier bin ich in unserer Forschungsgruppe die einzige Frau. Aber das ist kein Problem, ich werde nicht anders behandelt, die Kollegen sind sehr freundlich, ich kann auf sie zählen. Anfangs hatte ich sehr viele Fragen, der ganze Laser-Bereich war für mich Neuland.

Wie kam es überhaupt, dass Sie sich für ein Ingenieurstudium entschieden?

Eigentlich wollte ich Erdvermessung und Kartographie studieren, hatte dafür nach Abschluss der Matura aber zu wenige Punkte. Mein Bruder, der Ingenieur ist, brachte mich dann auf die Idee mit den Materialwissenschaften. Das Studium war damals ganz neu. Ich habe es einfach mal begonnen und weil es mir gefiel fortgesetzt. Ich bin noch immer zufrieden mit dieser Entscheidung.

Und warum sind Sie dann in die Schweiz gekommen?

Während meines Studiums war ich im Rahmen eines Auslandsemesters in Italien. Das war eine tolle Erfahrung. Ich schaute mich noch vor Abschluss meiner Studienzeit nach weiteren solchen Möglichkeiten um, ins Ausland zu gehen. Ein Schweizer Student, den ich an der Uni in Warschau kennen gelernt hatte, empfahl mir schliesslich, einen Professor der BFH zu kontaktieren, der sich mit ähnlichen Themen wie ich damals beschäftigte. Drei Monate später rief mich ein Kollege dieses Professors an, mein heutiger Chef, offerierte mir einen 50-% -Job und lud mich zu einem Bewerbungsgespräch ein. Schon einen Monat später zog ich in die Schweiz. Der Schweizer Student ist übrigens nun mein Freund.

Wie war das, hier Fuss zu fassen?

Am Anfang schwierig. Jetzt aber nach eineinhalb Jahren habe ich einen Freundeskreis und die Schweiz fühlt sich langsam wie Heimat an. Ich liebe die Landschaften hier und möchte Ski fahren lernen. Zuerst aber ist Deutsch lernen angesagt, ich mache langsam Fortschritte.

Was sind Ihre Ziele für die Zukunft?

Ich möchte hier bleiben und dereinst den Sprung in die Industrie schaffen. Diese Anstellung gibt mir eine gute Grundlage dazu, weil wir hier praxisnah forschen. Ich schätze das Niveau in der Forschung und die Zusammenarbeit mit der Industrie hier an der BFH.

Interview erschienen im Bieler Tagblatt

Prof. Dr. Patrick Schwaller

Leitung des «Institute for Applied Laser, Photonics and Surface Technologies»

T +41 34 426 43 61

Pestalozzistr. 20
CH-3400 Burgdorf