In Brönnimanns Reich

17.04.2018

Forscher und Studenten der Berner Fachhochschule arbeiten in einem speziellen Forschungslabor in Biel an der Pflege der Zukunft. Im Mittelpunkt steht das fiktive Ehepaar Brönnimann und seine aufgerüstete Alterswohnung.

Wenn Kurt Brönnimann am Morgen aus dem Bett steigt, wird er als Erstes von seinem Kleiderschrank begrüsst. «Guten Tag, Kurt», steht auf einem Bildschirm in der Schiebetüre. Darunter sind die Termine des Tages aufgelistet und die Wettervorhersage abgebildet. Mit einem Druck auf den grünen Knopf gelangt Brönnimann zum nächsten Menüpunkt: der vom Computer empfohlenen Kleidung. Diese ist mit den aktuellen Messdaten von draussen sowie der Vorhersage abgestimmt. An diesem Morgen sind es 12 Grad, Pullover, lange Hosen und Turnschuhe sind angesagt. Nach einem erneuten Drücken des Knopfs steht auf dem Bildschirm: «Pullover, drittes Regal links.» Und tatsächlich liegt dort der vom Programm empfohlene blaue Strickpullover, dessen Position ständig von einem integrierten Chip übermittelt wird.

Der Kleiderschrank gibt am Morgen Modetipps.

Der «intelligente Kleiderschrank » ist nur eines von vielen Assistenzsystemen in der Wohnung von Kurt und Elisabeth Brönnimann. Er leidet an leichter Demenz, sie an Diabetes und Hüftproblemen. Beide haben die Altersgrenze von 80 Jahren vor kurzem überschritten, wollen aber so lange wie möglich in der eigenen Wohnung bleiben. Deshalb ist auch der Boden mit Sensoren ausgestattet, die registrieren, wenn jemand hinfällt. Sofort würde dann ein Alarm auf ein vordefiniertes Gerät gesendet. Mittels Smartphone steuert anschliessend beispielsweise der Sohn einen fahrbaren Roboter, der sich in der Wohnung befindet. Über dessen Kamera kann er die Situation vor Ort überprüfen oder via Skype mit den Eltern sprechen.

Massiver Personalmangel

Das alles ist allerdings Zukunftsmusik. «Living Lab» nennt sich das Ganze und wird von der Medizininformatik der Berner Fachhochschule in Biel betrieben. In der Forschungsumgebung in unmittelbarer Nachbarschaft zum Spitalzentrum wollen die Wissenschaftler und Studenten herausfinden, wie die Pflege der Zukunft aussieht und welchen Beitrag die Informatik leisten kann. Die Forscher haben dazu nicht nur eine komplette Alterswohnung für das fiktive Ehepaar Brönnimann aufgebaut, sondern auch einen Operationssaal, eine Intensivstation, eine Apotheke und eine Hausarztpraxis. Für sie ist klar: Nur mithilfe von Digitalisierung und Computern zur Unterstützung der Pflege können die Herausforderungen bewältigt werden, die auf das schweizerische Gesundheitssystem zukommen. «Die Gesellschaft überaltert immer mehr, und der Mangel an Pflegefachpersonal wird grösser. Deshalb ist es unumgänglich, dass die alten Menschen künftig so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen», sagt Michael Lehmann, Professor für Medizininformatik.

ganzer Artikel | Berner Zeitung, Freitag, 13. April 2018

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