Auf dem Weg nach oben

26.09.2017

Für Christoph Dürr beginnt eine neue Ära als Spitzensportler. Der junge Sankt Galler lebt seit Anfang Juli als Halbprofi im Nationalen Trainingszentrum in Magglingen. Ausserdem ist er seit Mitte September Student des neuen BFH-Bachelorstudiengangs «Wirtschaftsingenieurwesen».

Tokyo 2020: Jedes Mal, wenn Christoph Dürr sein Smartphone einschaltet, hat er sein grosses Ziel im Blick. Das Logo der nächsten Olympischen Sommerspiele ist das Motiv auf dem Sperrbildschirm und erinnert ihn täglich daran, worauf er hinarbeitet. Wer Christoph Dürr kennt, ist nicht überrascht, dass er derart auf ein Ziel fokussiert ist. Der junge St. Galler hat schon in Junioren- Jahren unter Beweis gestellt, dass er es dereinst packen wird. Der 21-Jährige weist bereits ein beeindruckendes Palmares auf: Junioren-Europameister im Team Gewehr 50m liegend, Silbermedaillengewinner an den Junioren- Europameisterschaften Gewehr 10m Mixed zusammen mit Sarah Hornung, dritter Rang an den Universitäts-Weltmeisterschaften – die Liste der internationalen Erfolge liesse sich fortsetzen. Hinzu kommen mehrere Schweizermeistertitel mit dem Luft- und dem Kleinkalibergewehr sowie mit dem Standardgewehr auf die 300m-Distanz.

Schnell weg vom Fenster

Nun schiesst Christoph Dürr seit knapp einem Jahr in der Elitekategorie – und sieht die Podestplätze meist nur von Weitem. «Eigentlich ist der Job genau derselbe: Es müssen 60 Schüsse ins Zentrum der Scheibe», sagt Christoph Dürr. «Trotzdem ist es etwas ganz anderes, wenn man gegen die weltbesten Schützen antritt.» Bei den Junioren habe man eine schlechte Passe noch aufholen können. Eine gute Klassierung sei trotzdem noch drin gelegen. «Auf Stufe Europa- und Weltcup musst du konstant gut sein, sonst bist du weg vom Fenster. » Doch von Klassierungen im Mittelfeld lässt er sich nicht verrückt machen und beweist einmal mehr, dass er mehr als nur einen Wettkampf im Blick hat: «Ich muss meine langfristigen Ziele im Kopf haben, auch wenn mir das nicht jeden Tag gleich leicht fällt.»


Diese Aussicht von der Terrasse der Eidgenössischen Hochschule für Sport in Magglingen hinunter auf den Bielersee gehört für Christoph Dürr seit Anfang Juli zum Alltag. | Bild: Silvan Meier

Raus aus der Komfortzone

Seinen langfristigen Zielen ordnet Christoph Dürr nun alles unter: Anfang Juli ist er als vierter Athlet nach Nina Christen, Petra Lustenberger und Jan Lochbihler ans Nationale Leistungszentrum in Magglingen gezogen und wohnt in einem kleinen Zimmer im Schweizerhaus, in dem unter anderen auch Snowboarderin und Olympiasiegerin Patrizia Kummer lebt. Der Schweizer Schiesssportverband bezahlt die Unterkunft und die Verpflegung sowie einen Lohn von 2500 Franken. Damit kann er einen grossen Teil der Zeit dem Training widmen. Ursprünglich sahen Christoph Dürrs Pläne anders aus: Er wollte an der Hochschule für Technik in Rapperswil ein Wirtschaftsingenieur- Studium beginnen, ein Plan, der unvereinbar mit dem Trainingsalltag am Nationalen Leistungszentrum in Magglingen gewesen wäre. An der Fachhochschule Biel wurde kein solcher Lehrgang angeboten. Das änderte sich im Frühling 2017 – und damit auch der Plan von Christoph Dürr. «Ich habe eher zufällig nochmals auf die Website der Fachhochschule Biel geschaut und entdeckt, dass der Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen neu aufgenommen wurde. Nach einem Gespräch mit dem Studiengangleiter eröffnete sich mir die Möglichkeit, als Sportler das Studium in Teilzeit zu absolvieren. Da war mein Entscheid klar.» Christoph Dürr brach seine Zelte in seinem Heimatdorf Gams ab, verliess das Elternhaus und zog nach Magglingen. «Das ist schon ein grosser Schritt», sagt er.

Technische Anpassungen

Wie schon während des Gymnasiums wird die Belastung für Christoph Dürr hoch sein: Spitzensport und Studium sind nicht einfach unter einen Hut zu bringen. Schliesslich wird an der Hochschule eine gewisse Präsenzzeit erwartet und Ende Semester müssen die Noten stimmen. Christoph Dürr schaut der Doppelbelastung gelassen entgegen. «Ich rechne im ersten Semester mit rund 400 Stunden Aufwand fürs Studium», rechnet er vor. Danach werde der Aufwand zumindest phasenweise geringer. Wichtig seien eine gute Planung und eine genaue Absprache mit der Studienleitung und den Professoren. «Ich muss im Studium genau wie im Sport Willen zeigen und meine Leistungen bringen, dann wird beides aneinander vorbeigehen.»

ganzer Artikel | Silvian Meier - Schiessen Schweiz

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