Tools | Digitale Transformation

06.02.2018

«Moderne Tools können ihre Wirkung oft erst entfalten, wenn Prozesse und Konventionen neu gedacht und konsequent umgesetzt werden.»

Warum sollten Unternehmen das Thema digitale Transformation auf ihre Agenda setzen?
Bramwell Kaltenrieder:
Der Megatrend «Digitalisierung» und der damit verbundene Wandel betrifft alle Unternehmen: Es verändern sich Bedürfnisse von Kunden und Erwartungen von Mitarbeitenden, dynamische technologische Entwicklungen eröffnen neue Chancen und in den Märkten setzen sich neue Strukturen und Geschäftsmodelle durch. In der Folge muss sich jedes Unternehmen regelmässig damit auseinandersetzen, wo es in dieser Entwicklung steht und in welchem Ausmass und mit welchen konkreten Zielen es sich eröffnende Chancen erschliessen will.

E-Mail, Cloud, CRM, ERP, Social Media - digitale Hilfsmittel sind heute praktisch in allen Unternehmensbereichen im Einsatz. Was braucht es noch, damit sich eine Firma wirklich digital transformiert?
An der blossen Verfügbarkeit der technischen Infrastruktur liegt es hierzulande heute selten, wenn Unternehmen den Schritt ins digitale Zeitalter noch nicht schaffen. Moderne Tools können ihre Wirkung oft erst entfalten, wenn Prozesse und Konventionen neu gedacht und konsequent umgesetzt werden. Ein Dilemma, das ich ebenfalls regelmässig sehe: Viele Unternehmen sind im traditionellen Geschäft erfreulich gut unterwegs - sodass man sich mangels äusserem Druck und mit Blick auf eine mittelfristig reduzierte Rentabilität kaum an die Entwicklung und Umsetzung neuer Geschäftsmodelle traut. Um aus dieser Situation auszubrechen, braucht es Mut, Freiräume und Durchsetzungskraft. Unabdingbar ist in jedem Fall Commitment und «digitale» Leadership der obersten Führung im strategischen Wandel, insbesondere wenn es um das Vorleben und Durchsetzen neuer kultureller Aspekte geht.

Wie verändert die Digitalisierung das Arbeitsleben?
Es sind eine ganze Reihe von Veränderungen, die hier auf uns zukommen: Die permanente Konnektivität - mit all ihren Vor- und Nachteilen - und die damit verbundenen neuen Kommunikations- und Kooperationsformen. In der Folge die zeitliche und örtliche Flexibilität, angepasste Arbeitsmodelle und höhere Anforderungen bezüglich Selbstdisziplin und Ergebnisorientierung. Noch stärkeres Durchbrechen klassischer Hierarchien. Verlagerung von Routinearbeiten zu kreativ-konzeptioneller Tätigkeit infolge zunehmender Automatisierung. Und die zunehmende Bedeutung von kontinuierlichem, selbstständigem Lernen.

Welchen Rat geben Sie kleinen Unternehmen, die sich von der digitalen Transformation überrollt fühlen?
Grundsätzlich verfügen kleine Unternehmen über Stärken in der Agilität und Flexibilität. Gepaart mit ihren Kernkompetenzen aus dem angestammten Geschäft und neuen Ideen können dadurch digitale Erfolgsgeschichten geschrieben werden. Neue Ideen und Denkweisen können zum Beispiel dadurch entstehen, wenn Führungskräfte bei der Neueinstellung von Mitarbeitenden und Kadern konsequent auf deren digitale Affinität achten und in strategischen Prozessen und Entscheiden junge Leute einbinden.

Quelle
Schweizer ICT-Jahrbuch

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Bramwell Kaltenrieder

Professor für Digital Business, Entrepreneurship und Innovation