Medizintechniklabor | BFH-TI

07.02.2018

Im Medizintechniklabor der Berner Fachhochschule in Biel wird an grossen Ideen getüftelt. Hier ein Einblick ins Institute for Human Centered Engineering (HuCE) und zwei innovative Forschungsprojekte, welche je zwei Techniken zu kombinieren versuchen.

Wenn Schweineaugen frisch vom Metzger im Departement Technik und Informatik der Berner Fachhochschule gebraucht werden, geht dort etwas Aussergewöhnliches vonstatten. Daniel Kaufmann erzählt mitten zwischen Augenlasergeräten im HuCE-optoLab von Professor Christoph Meier davon, als wäre nichts dabei. Indes forscht der wissenschaftliche Mitarbeiter mit anderen Ingenieuren in einer Forschungsgruppe am Institute for Human Centered Engineering (HuCE) an der Quellgasse in Biel seit gut zwei Jahren sehr wohl an einem Novum: An einem Gerät, mit dem Augenärzte gleichzeitig behandeln und überprüfen können sollen, was sie gerade bewirken.
«Es geht darum, zwei Lasersysteme so zu vereinen, dass sie im Auge exakt auf den gleichen Punkt treffen», erklärt Kaufmann. Zum einen sei das der sogenannte OCT-Laserstrahl, mit dem, einem Ultraschall ähnlich, in die Tiefe des Auges geblickt werden könne. Zum anderen der Behandlungslaser, der Pulse von einer Millionstelsekunde auf die unterste Schicht der Netzhaut schickt. «Mit dieser sogenannten selektiven Retinatheraphie (SRT) kann man gewisse Augenkrankheiten viel schonender behandeln als mit der konventionellen Laserbehandlung, bei der örtlich die ganze Netzhaut verödet wird.» Man schiesse bei der SRT eben nur auf jene dünne Schicht, die für die Nährstoffzufuhr des Auges zuständig ist, und sich ausserdem erneuern kann.

Bekannter Knackpunkt

Das Problem bisher: «Man weiss nicht, welche Laserenergie es genau braucht, damit die Behandlung präzis gelingt.» Das soll nun mit dem auf die gleiche optische Achse gebrachten OCT-Laser gelöst werden, der Live-Bilder aus der Tiefe des Gewebes liefert. «Die grosse Herausforderung nebst dem mikrotechnischen Aspekt ist dabei die Interpretation der Daten», sagt Kaufmann. Und da kommen nun eben die Schweineaugen vom Metzger ins Spiel. An ihnen testet das Team das Verfahren – und zwar in den vier bis fünf Stunden nach dem Tod des Tieres, in denen das Augengewebe noch ein bisschen lebt. Kaufmann hat für gründliche Untersuchungen der behandelten Netzhautschicht gar eigens ein Minibiologielabor eingerichtet. Versuche an Augen lebendiger Tiere – der nächste Schritt – werden aber natürlich in spezialisierten Labors durchgeführt. Ob das Gerät dereinst auf den Markt kommt? Die Zeichen stehen gut: «Grundsätzlich sind Firmen daran interessiert», so Kaufmann, noch gebe es aber viel zu tun.

Nichts für die Schublade

Mit dem Projekt angefangen hat Daniel Kaufmann bereits während seines Studiums des Master of Science in Biomedical Engineering, den die BFH zusammen mit der Uni Bern anbietet. Der Aufbau des Labors und erste Versuche bildeten Kaufmanns Masterarbeit. Kein Einzelfall, wie die beiden Leiter der Forschungsgruppe Biomedical Engineering des HuCE, Jörn Justiz und Volker Koch, aufzeigen. Anwendungsnähe sei ihnen sehr wichtig und die von ihnen ausgeschriebenen Masterarbeiten seien darum wenn immer möglich Projekte mit Firmen an Bord. Um ganz konkrete Probleme aus der Praxis gehe es da. «So garantieren wir, dass wir auf dem Boden bleibend forschen und unterrichten», sagt Koch und Justiz ergänzt: «Das zeigt, dass wir eben nicht, wie immer wieder diskutiert wird, zu akademisch und zu theoretisch abgehoben sind im Masterbereich.»

ganzer Artikel | Bieler Tagblatt, 02.02.2018

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BFH-Zentrums Technologien in Sport und Medizin

Das «Institute for Human Centered Engineering HuCE» ist Teil des BFH-Zentrums Technologien in Sport und Medizin.