E-Dumper bald startklar!

12.10.2017

Elektroautos sind dank Tesla für die breite Masse ein Thema. Weniger weit ist man mit dem E-Antrieb bei Baumaschinen. Ein Schweizer Projekt will das nun ändern. Die CO2-Einsparungen wären gewaltig.

Das grösste Elektrofahrzeug der Welt ist bald betriebsbereit

Gleich dreimal könnte ein neues Baufahrzeug aus der Schweiz für Weltrekorde sorgen: Der E-Dumper ist das grösste und stärkste Elektrofahrzeug überhaupt, werben die Macher hinter dem gigantischen Gefährt. Demnach wurde auch noch nie eine grössere Batterie in ein Elektrofahrzeug eingebaut und nie hat ein einzelnes Fahrzeug eine derart grosse Menge an CO2 einsparen können.

Hinter dem Projekt stehen eine Reihe von Unternehmen und Leuten. So kommt die Batterie von Lithium Storage aus Illnau ZH. Die Bestandteile importiert die Firma aus China. Zusammengebaut wird die 4,5 Tonnen schwere Mega-Batterie aber nach ihren Vorstellungen vom Unternehmen Schaltag vor Ort in Illnau. Da viele der Komponenten auf dem Markt nicht verfügbar sind, werden diese speziell für den E-Dumper entwickelt und hergestellt. So ist der Motor eine Extraanfertigung eines deutschen Unternehmens.

Spezialprodukte sorgen für Verzögerung

Für den Umbau ist Projektpartner Kuhn Schweiz zuständig. Denn Grundlage für den E-Muldenkipper ist ein japanisches Gerät, das der Importeur im Normalfall mit Dieselmotor vertreibt. Gegenwärtig warten die Umrüster noch auf eine Gummimulde für den Komatsu 605-7. Mitte Oktober soll diese nun kommen. Diese und weitere Verzögerungen bei der Entwicklung und den Zulieferern sind auch der Grund, warum der E-Dumper erst im November und nicht wie geplant im September seinen Betrieb startet, sagt Roger Miauton, CEO von Lithium Storage.

Auch wissenschaftlich ist das Projekt breit abgestützt. Experten der Berner Fachhochschule, der Interstaatlichen Hochschule für Technik in Buchs und der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt EMPA unterstützen das Projekt mit ihrem Know-how. Ebenfalls Teil der Arbeitsgemeinschaft E-Dumper ist Vigier Ciments. Im Zementwerk des Unternehmens wird der umgebaute Muldenkipper zum Einsatz kommen.

Strom produzieren und CO2-Ausstoss verringern

Herumkurven wird der Muldenkipper mit Elektromotor künftig in einer Zementfabrik bei Biel. Das Gefährt wird Rohmaterial vom Steinbruch zur tiefer gelegenen Förderanlage bringen. Diesen Weg nutzt die Maschine zur Stromproduktion, denn vollbeladen generiert das 111 Tonnen schwere Gefährt bei der Fahrt abwärts Strom. Was am Ende des Tages übrig bleibt, soll anschliessend ins lokale Stromnetz eingespiesen werden. Das frühere CO2-Monster wird im Idealfall zum Stromproduzenten.

Das Projekt um den Prototypen ist nicht ganz freiwillig, denn die Branche ist unter Druck: Gemäss Zahlen des Bundesamts für Umwelt (Bafu) verursachte die Bauwirtschaft im Nichtstrassen-Sektor 2015 am meisten CO2. Der E-Dumper kann je nach Einsatz zwischen 131 bis 262 Tonnen CO2 pro Jahr gegenüber dem vergleichbaren Dieselfahrzeug einsparen.

Grosse Investition

Technisch und auch finanziell ist der Umbau ein Grossprojekt. Wie auf dem Branchenportal «Auto, Motor und Sport» zu lesen ist, kostet die Umrüstung einen siebenstelligen Frankenbetrag. Dazu trägt das Bundesamt für Energie 700'000 Franken bei. Dafür hofft man, das gewonnene Know-how in Zukunft auf weitere Fahrzeuge anwenden zu können.

Auch die Initiatoren haben grosse Erwartungen. Die Zeichen für Folgeaufträge stehen gut. Roger Miauton von Lithium Storage bestätigt gegenüber handelszeitung.ch, dass sie mehrere Interessenten aus der Schweiz und Europa sowie Kanada hätten. Für die zukünftige Vermarktung wurde eigens ein neues Unternehmen namens E-Mining gegründet.

Auf einen weiteren Erfolg spekuliert das Projekt E-Dumper Mitte Oktober. Dann werden in München an der Internationalen Fachmesse für die Mobilität 4.0 die besten der Branche gekürt – der E-Dumper gehört zu den vier Finalisten.

Originalartikel | Handelszeitung, 28. Sept 2017
Weltgrösstes Elektrofahrzeug mit 45 Tonnen