DAFAT gewinnt Designpreis Schweiz

10.11.2015

Das KTI-Projekt DAFAT (Digitale Applikation von Farbe auf Textilien) behandelt die Weiterentwicklung der digitalen Drucktechnik aus Designsicht. Dabei ist das Ziel, der Farbe ihre Materialität zurückzugeben und dem Druck einen expressiven Ausdruck zu verleihen. Gemeinsam mit anderen Hochschulen und Industriepartnern wird an der Entwicklung einer neuen Technologie gearbeitet, die sowohl die zu applizierenden Farbstoffe als auch die Applikationsart neu definiert.

Das Projekt wurde mit dem Designpreis Schweiz 2015/16 in der Kategorie "Research" ausgezeichnet. Die nominierten Projekte werden bis zum 13. Dezember 2015 in Langenthal ausgestellt.

Der Digitaldruck bedeutete bis anhin, dass eine Bildvorlage Reihe für Reihe auf das Textil übertragen wurde. Neu entsteht ein Muster aus nacheinander auf das Substrat aufgebrachten Farben. Der Farbauftrag erfolgt mit einer Düse und kann über verschiedene Parameter verändert werden, wodurch neue kreative Effekte für die Designer möglich werden. Im Rahmen des Projekts wurden mehrere Systeme entwickelt und gebaut, sowohl für dünnflüssige Tinten als auch für Farbpasten, welche einen 3D-Effekt ermöglichen.  

Das Herzstück des ersten Systems bildet eine Sprühdüse, die am Institut für Drucktechnologie der BFH entwickelt wurde. Diese besteht aus einem dünnen Sprühkanal, welcher beim Druckvorgang von Luft durchströmt wird. Rund um diesen Kanal sind vier Mikroventile angeordnet. Mit jedem dieser Ventile werden kleine Farbtröpfchen in den Kanal gespritzt. Im Kanal vermischen sich die Tröpfchen der vier Grundfarben zu einer Farbe. Durch die Wahl des Mischverhältnisses lässt sich jede gewünschte Farbe erzeugen. Die Farbe im Kanal wird von der Druckluft mitgerissen und dadurch zerstäubt und auf das Textil übertragen. Durch eine geeignete Geometrie des Kanals sind schnelle Farbwechsel möglich. Natürlich lassen sich auch fliessende Übergänge zwischen zwei Farben erzeugen. Die Düse ist auf einem Drucker montiert, der ähnlich wie bei einem Plotter die zu druckende Linien abfährt. Es geht hierbei nicht darum, wie beim Inkjet hochauflösende Bilder auf das Textil zu übertragen, sondern mit wenigen Farbspritzern optische Effekte zu erzielen. Interessante Möglichkeiten ergeben sich durch die Kombination mit anderen Effekten, zum Beispiel indem die Konturen eines Motivs genäht werden und dieses anschliessend mit wenigen Farbtupfern eingefärbt wird. Im Gegensatz zu klassischen Druckverfahren bestehen mit dem DAFAT-System weitere gestalterische Möglichkeiten. Durch Verändern der verschiedenen Parameter wird zum Beispiel aus einer dünnen, klar abgegrenzten Linie eine lose Ansammlung aus wild verstreuten Farbtröpfchen. Einstellungen wie die Durchflussmenge der Sprühluft oder der Abstand der Düse zum Stoff lassen sich sogar während des laufenden Druckvorgangs verändern. So kann der Designer in den Druckprozess eingreifen und jedes Exemplar zum Unikat machen.  

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In einem zweiten Schritt wurden die Möglichkeiten des Drucks von Pasten mittels Dosier- und Sprühventil ausgelotet. Dazu wurden eine Versuchsmaschine gebaut und viele Versuchsreihen durchgeführt.  Auch hier können verschiedene Parameter variiert werden, um das Druckbild zu beeinflussen. Eine grosse Herausforderung war die Haftung der Pasten auf dem Textil. Begonnen wurde mit Pasten für den Siebdruck. Diese werden normalerweise durch den Druckvorgang auf das Textil gedrückt, was eine gute Verbindung zwischen Paste und Textil und entsprechend eine gute Haftung gewährleistet. Durch das Aufbringen mittels Düse fällt dieses Andrücken der Paste weg; je nach Einstellung kann es sein, dass die Farbe nur auf das Textil tropft. Um trotzdem eine gute Haftung zu erzielen, mussten die Rezepturen der Pasten modifiziert werden.  

Aktuell wird an der Umsetzung der Technologie für den Pastendruck in Maschine im Grossformat gearbeitet. Diese wird eine Druckfläche von 2.2 m x 1.5 m haben und wird im Dezember 2015 beim Industriepartner in Betrieb genommen.