Lastprofile

In den letzten Jahren wurde ein höchst detaillierter Lastprofilgenerator (LPG) für Privathaushalte entwickelt, welcher unter www.loadprofilegenerator.ch zur Verfügung steht. Dieser modelliert die Bewohner als individuelle, bedürfnisgesteuerte Software-Agenten in einem Bottom-Up-Ansatz. Die meisten Ansätze zur Erstellung von Lastprofilen basieren auf Wahrscheinlichkeitsansätzen. Diese haben im einfachsten Falle Regeln der Art «Abends zwischen 19:00 und 22:00 90% Wahrscheinlichkeit für das Einschalten des Fernsehers». Dieser Ansatz funktioniert sehr gut zur Beschreibung grösserer Bevölkerungsgruppen, erfordert aber eine sehr umfangreiche Datenbasis für die Erstellung realistischer Einzelprofile. Das macht es sehr schwierig, damit zukünftige Szenarien abzubilden, bei denen eine solche Datenbasis per Definition nicht vorhanden ist. Der LPG ist hingegen ermöglicht die Verwendung von wenigen, grundlegenden Annahmen zur Erstellung von Verhaltensprofilen und ermöglicht somit auch die Erstellung zukünftiger Profile.

Die Grundidee der Verhaltenssimulation ist in der Abbildung dargestellt. Der Modellierungsansatz basiert auf einem Modell des Bamberger Psychologen D. Dörner und hat als Prämisse, dass Menschen bedürfnisgesteuert handeln. Wenn ein Softwareagent so programmiert wird, dass er versucht, seine Bedürfnisse möglichst gut zu befriedigen und man ihm dann entsprechende Aktivitäten als Optionen bietet, entstehen realistische Verhaltensmuster. Aus den Verhaltensmustern können dann Lastprofile erstellt werden.

Damit ist es möglich, technologische Entwicklungen, Verhaltensänderungen durch einen demographischen Wandel und Änderungen im Energieverbrauch durch z.B. dynamische Tarifmodelle in einem einzigen, gesamtheitlichen Modell abzubilden und individuelle Lastprofile für jeden Haushalt zu generieren. Wenn nun für alle Haushalte einer Stadt basierend auf statistischen, geographischen, Gebäude- und Energieverbrauchs-Daten individuelle Modelle erstellt werden, dann kann für jeden Typ von Haushalt ein Entwicklungspfad definiert werden und für jedes Jahr bis 2050 können Lastprofile für den Strom-, Wasser- und Heizenergieverbrauch generiert werden. Zum Beispiel kann der Single in 5 Jahren eine Familie gründen, umziehen, ein Elektroauto kaufen etc. Diese Funktionalität ist für einzelne Haushalte implementiert und wurde auch bereits als Grundlage für eine Veröffentlichung [4] genutzt, erfordert aber noch zu viel manuelle Intervention. Für das Pilotprojekt wird die Methodik automatisiert und auf Burgdorf angewendet. Zusätzlich wird eine Methodik für die Erstellung von Gewerbelastprofilen entwickelt.