Das Gesundheitswesen ist im Umbruch. Wie kann sichergestellt werden, dass der medizinische Fortschritt gerecht in unserer Gesellschaft allen Bürgerinnen und Bürgern auch zukünftig zur Verfügung steht? Hierzu wurde unlängst die eHealth-Stratgie des Bundes (2007-2015) lanciert. Diese steht im Kontext, der bereits politisch beschlossenen Veränderungen, die 2012 in Kraft treten: freie Spitalwahl, Einführung stationärer Fallpauschalen und Offenlegung von Daten und Qualitätsindikatoren.
Diese Veränderungen zeichnen einen Spannungsbogen zwischen mehr Transparenz, dadurch entstehendem Wettbewerb, erhöhtem Druck auf die Kosten, zwingender Effizienzsteigerung und geforderter höherer Qualität in der Patientenversorgung auf. Ohne Informatik - insbesondere auf der organisatorischen Ebene - sind diese Gegensätze kaum aufzulösen.
Und schon befinden wir uns in einem wichtigen Betätigungsfeld der Medizininformatiker(innen). Sie sind die Schnittstelle zwischen fundiertem IT-Verständnis, medizinischem Prozess- und Pfadwissen, sowie organisatorischem Verständnis für das gesamte Gesundheitswesen. Dies wurde im Rahmen einer von uns durchgeführten umfangreichen Interviewumfrage bei herausragenden Persönlichkeiten im Gesundheitswesen bestätigt. Daraus ergeben sich auch die drei Hauptpfeiler für das Studienkonzept:
Diese Grundmodule werden durch Wahlpflichtfächer aus Anwendungsbereichen in der Medizininformatik sowie mit Praktika und Seminaren abgerundet. Dadurch entsteht ein spannendes interdisziplinäres Studium, das Studierende beiderlei Geschlechts namentlich mit einer Berufsmaturität aus den Bereichen Gesundheit, Technik und KV begeistern dürfte.
Die Interviewumfrage konnte zudem aufzeigen, wie die konkreten Karrierechancen und die spezifischen Berufsfelder innerhalb der verschiedenen Organisationen für Studierende der Medizininformatik aussehen: besonders die Projektleitung auf der Schnittstelle Medizin und Informatik wurde immer wieder genannt, dazu aber auch IT- und Softwarearchitekt(in), Business und Prozess Analyst(in) bei der Einführung und Betreuung von medizinischen Applikationen und deren Vernetzung im Gesundheitswesen, Produktmanagement medizinischer Applikationen bis hin zu leitenden Funktionen als Abteilungsleiter(in) Medizininformatik, Leiter(in) medizinischer Systeme oder auch zur Funktion des CIOs.
Auch das Nachfragevolumen wurde in der Interviewumfrage adressiert: es konnte ein Bedarf von - konservativ gerechnet - schon heute rund 1300 und für die nächsten 3-5 Jahre zusätzliche 700 Medizininformatikern und Medizininformatikerinnen für die Schweiz errechnet werden, mit einem anfänglichen Ausbildungsbedarf von bis zu 270 Studierenden pro Jahr. Da der Beruf und sein Umfeld in der Schweiz erst im Aufbau begriffen sind, darf die Branche zudem in den nächsten Jahren mit herausragenden Schweizer Innovationen rechnen. Von den Studierenden der Medizininformatik wird auch in dieser Hinsicht einiges erwartet.
Die Besonderheit des Studiengangs besteht also darin, dass er nicht auf ein spezifisches Bildungsgebiet ausgerichtet ist, sondern sich an den Bildungsprioritäten und Anforderungen einer ganzen Branche (Spitäler, Pharma, Logistik, Versicherer, medizinische Software- und Geräte-Hersteller, Forschung und Entwicklung) sowie der Bedeutung des Gesundheitswesens als wichtiger volkswirtschaftlicher Sektor in der Schweizer orientiert. Die Medizininformatik stellt das zentrale und verbindende Element der gesamten Gesundheitsbranche dar.